
Veranstaltungen in den Bergen sind beliebt. Dabei stellt sich die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die Arosa Bergbahnen AG verfolgen bezüglich Events eine klare Linie: nur wer bestehende Infrastruktur grosszügig nutzt, wird in der Umsetzung unterstützt. Ressourcen spielen aber nicht nur bei Veranstaltungen eine Rolle, sondern auch z.B. im Beschaffungsmanagement.
Wie alles begann
Konzerte, Sportveranstaltungen, Raves – Events in den Bergen vor imposanter Kulisse strahlen eine besondere Anziehung aus und sprechen ein immer grösseres Publikum an. Auch Arosa hat einiges zu bieten. Wer kennt nicht das Arosa Humorfestival, das jährlich im Dezember seit 34 Jahren die Lachmuskeln der Besuchenden trainiert? Wie bei allen Veranstaltungen stellt sich auch in den Bergen die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die Arosa Bergbahnen AG setzt hierzu seit 2021 verschiedene Massnahmen um, wie Direktor Philipp Holenstein mit einem Praxisbeispiel erklärt: «Der Traditions-Hockeyclub EHC Arosa feierte 2024 sein 100-jähriges Jubiläum und suchte nach einer speziellen Location. Wir konnten das Zelt des Arosa Humorfestivals nutzen, kurz bevor dieses stattfand. Die Idee mit der Doppelnutzung kam von den Verantwortlichen des EHC, die wir umgehend positiv aufgenommen und unterstützt haben. In der Beurteilung von Veranstaltungen am Berg ist die Nutzung bestehender Infrastrukturen ein zentrales Kriterium.»
Lieber viele kleine als ein grosser Publikumsmagnet
Dies bedingt eine gewisse Flexibilität bei den Veranstaltenden. So wurde zum Beispiel die jährlich in einem anderen Gebiet stattfindende Meisterschaft der Schweizer Skischulen, das «Swiss Snows Happening», nicht wie üblich zentral, sondern in mehreren über das Gebiet verteilten Hotspots organisiert. Dadurch brauchte es keine Festzelte, da die Gastronomie durch die bestehenden Betriebe gedeckt wurde. Die Rennen wurden auf bestehenden Pisten und Snowparks und damit ohne zusätzliche Beschneiung ausgetragen. Dieses angepasste Konzept vermied unnötige Materialtransporte und hielt nicht nur die Umweltbelastung, sondern auch Aufwand und Kosten tief, wie Holenstein erzählt.
Ähnlich verhält es sich mit den beiden Musikfestivals «Live is Life» und «Arosa Electronica», die in verschiedenen Locations nach dem Satellitenkonzept stattfinden. Für das «Live is Life» gibt es eine grössere Bühne in Lenzerheide, der Rest des Festivals ist auf mehrere Berghütten in beiden Orten verteilt. Das Festival wird bewusst klein, aber fein gehalten und spricht auf Seite Arosa eher Residenzgäste als Tagesbesuchende an. Beim «Arosa Electronica» wird das 360°- Restaurant auf dem Weisshorngipfel für eine Nacht zur Verfügung gestellt. Aber auch hier gilt: Hochgefahren wird mit der Bahn, zusätzliche Transporte mit Pistenfahrzeugen werden keine durchgeführt. Und wie gross der Andrang sein mag: die Grösse ist auf die maximale Kapazität des Restaurants limitiert, ausgebaut wird nicht.
Während der Festivals bewegen sich die Besuchenden ausschliesslich mit der Seilbahn, zu Fuss und mit Skis oder Snowboards. Damit entstehen selbst mit der dezentralen Organisation keine zusätzlichen Transport-Emissionen der Gäste.
«Wir schreiben uns als Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahne. Da ist es nur fair, bei Grossanlässen mit Musik am Berg Nachhaltigkeit von Anfang an in der Planung mitzudenken.» Philipp Holenstein, Direktor Arosa Bergbahnen AG
Bewährtes pflegen und konsequent umsetzen
Auch die 2023 neu gebaute KuhBar beherbergt nur Acts, die auf der bestehenden Bühne spielen können. «Ein grösseres Konzert mit Bühne im Aussenbereich haben wir einmal organisiert, um den hohen Publikumsandrang am Wochenende abzufangen. Davon haben wir uns jedoch wieder abgewendet. Neben den hohen Kosten für eine zusätzliche Bühne braucht es ein erweitertes Gastro-Konzept mit Food-Ständen und so weiter. Das alles muss hin- und wieder wegtransportiert werden und generiert viel Aufwand und Emissionen.» erklärt Holenstein. Daher bleiben die Bergbahnen nun beim bewährten Konzept, den Schneesport auch im Après-Ski-Angebot ins Zentrum zu stellen.
Ressourcenschonung in der Gastronomie
In den Gastronomiebetrieben der Arosa Bergbahnen AG werden seit vier Jahren die Lebensmittelabfälle gewogen, um diese zu verringern. Zum Beispiel werden Analysen pro Teller bzw. Gast durchgeführt, um zu prüfen, ob die Portionen zu gross sind. Das Unternehmen nimmt dabei den branchenspezifischen Leitfaden Gastronomie zur Reduktion der Lebensmittelverluste als Zielwert. Darin wird als durchschnittlich vermeidbare Lebensmittelverluste pro Hauptmahlzeit ein Referenzwert von <45 Gramm als gute Praxis bewertet, < 20 Gramm gelten als vorbildlich. Die Gastronomiebetriebe der Arosa Bergbahnen AG haben hier noch Verbesserungspotenzial. In einem weiteren Schritt haben die Betriebe ihre Angebote reduziert und diversifiziert, es bieten also nicht mehr alle alles an. Gleichzeitig setzen sie stark auf regionale Produkte: Brot von der Ortsbäckerei, Käse aus umliegenden Betrieben, Arosa Haustee und das örtliche Arosabier laufen gut, sagt Holenstein. Bei anderen Produkten ist dies aufgrund der Mengen nicht machbar, aber wo immer möglich, haben regionale Produkte Vorrang. Auch das angebotene Wasser ist Quellwasser, es wird vor Ort mit CO2 angereichert und exotische Luxusprodukte wie Foie gras oder Hummer sucht man in den Restaurants der Arosa Bergbahnen AG vergeblich.
«Mineralwasser in der Flasche anzubieten wäre unsinnig: wir müssten es anliefern und das Leergut wieder abführen. Unsere Gäste kommen daher in den Genuss von lokalem Quellwasser, welches wir vor Ort mit Kohlensäure anreichern.» Philipp Holenstein, Direktor Arosa Bergbahnen AG
Beschaffungsmanagement: Qualität vor Quantität
Neben Veranstaltungen und Gastronomie bietet auch das Beschaffungsmanagement Möglichkeiten, nachhaltig zu handeln. Von der Technik über Gastro- und Infrastrukturanlagen bis hin zur Arbeitskleidung der Mitarbeitenden setzen die Arosa Bergbahnen auf Qualität und Langlebigkeit und nehmen die dadurch höheren Beschaffungskosten in Kauf. Holenstein sagt, dass sich die Investitions- und Unterhaltskosten letztlich lohnen, weil es weniger Ersatzkäufe braucht. Zudem mache es den Mitarbeitenden mehr Freude, hochwertige Produkte zu unterhalten. Gleichzeitig räumt er ein, dass die höheren Anschaffungskosten für Bahnen, die finanziell nicht gut aufgestellt sind, auch eine Herausforderung sein können.
Ein konkretes Beispiel sind die PistenBullys 600 E+, die Hybrid mit Diesel und Strom betrieben werden. Zwar kosten diese mehr als herkömmliche Pistenfahrzeuge, jedoch spare das Unternehmen in Kombination mit einer professionellen Fahrerausbildung 15 – 20 % Dieselöl. Das entspricht pro Saison und Fahrzeug 4000 bis 5000 Liter Dieselöl. Die Arosa Bergbahnen AG hat aktuell drei dieser Fahrzeuge im Einsatz, was einem Viertel der gesamten Pistenfahrzeugflotte entspricht.
Insgesamt nehmen die Arosa Bergbahnen das Thema «Verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen» ernst und berücksichtigen es in all ihren Prozessen. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass Nachhaltigkeit als Aufgabe bei der Geschäftsleitung angesiedelt ist. «Wir haben uns bewusst gegen eine Stabstelle entschieden, denn für uns ist das Thema Nachhaltigkeit eine Führungsaufgabe. Mit dieser Entscheidung wollten wir vermeiden, eine Stelle zu schaffen, die ein so wichtiges Thema umsetzen muss, aber wenig Weisungsbefugnis hat.», sagt Holenstein abschliessend.
Weiterführende Informationen








