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Dr. Ing. Roland Zegg, Inhaber und Geschäftsführer grischconsulta AG sowie Dr. Peter Vollmer, Direktor Seilbahnen Schweiz (SBS) nehmen zu verschiedenen Fragen Stellung.
Was bringt und was kostet Energiemanagement für eine Bergbahnunternehmung?
Roland Zegg: Die Energiekosten sind heute – nach den Personalkosten – der zweitgrösste Kostenblock bei den meisten Bergbahnunternehmen. Ein aktives Energiemanagement kann, je nach Ausgangslage des Unternehmens, Einsparungen bei den Energiekosten von bis zu 15 % bewirken. Man muss dabei zwischen rein organisatorischen Massnahmen ohne Investitionsfolgen und Schritten, die Investitionen mit sich bringen, unterscheiden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, zuerst Massnahmen umzusetzen, welche grosse Wirkung für die jeweilige Unternehmung haben. Die notwendige Aufbereitung von zusätzlichen Daten kann auch für das betriebswirtschaftliche Controlling eingesetzt werden.
Warum hat die Branche einen Anstoss „von aussen“ gebraucht, um sich diesen Fragen zu widmen?
Peter Vollmer: Verschiedene Akteure im Markt befassen sich bereits sehr aktiv mit Energiefragen, häufig aber sind Seilbahnbetreiber mit anderen zentralen Marktanforderungen ausgelastet, so dass der Frage der Energieeffizienz bislang zu weniger Beachtung geschenkt wurde. Aufgrund der zu erwartenden Veränderungen im Energiemarkt hat grischconsulta zusammen mit Seilbahnen Schweiz das Thema lanciert. Mit der nun veröffentlichten Studie sollen unsere Mitglieder zum Einstieg in die Thematik motiviert werden.
Bald beginnt wieder die Saison der technischen Beschneiung. Ist der technisch erzeugte Schnee bezüglich Energiekonsum zu verantworten?
Roland Zegg: Es ist klar, dass durch technisch erzeugten Schnee der Strombedarf einer Bergbahn steigt. Man darf aber nicht vergessen, dass sich die Energieeffizienz in diesem Bereich in den letzten Jahren rasant verbessert hat. Der Energiebedarf pro Arbeitsplatz der Bergbahnen in der Schweiz ist vergleichbar mit demjenigen in der Nahrungsmittelbranche, welche aber kaum Arbeitsplätze in peripheren Berggebieten sichert. Betrachtet man den Strombedarf durch die Beschneiung im Vergleich mit Verbrauchssteigerungen bspw. bei einem Angebotsausbau der SBB (Stichwort: Bahn 2000) oder der Swisscom, so scheint die alljährliche Kritik unverhältnismässig. Der gesamte Strombedarf aller Schweizer Bergbahnen entspricht weniger als 45% des Stromverbrauchs der Swisscom.
Peter Vollmer: Die technische Beschneiung ist zudem zu einem unverzichtbaren Angebotsbestandteil in Skigebieten geworden. Der Faktor „Schneesicherheit“ ist heute bei der Wahl des Skigebietes mitentscheidend. Die Beschneiung sichert damit einen beträchtlichen Teil der touristischen Wertschöpfung in alpinen Wintersportdestinationen.
Eignen sich Bergbahn-Standorte für die Gewinnung erneuerbarer Energien?
Roland Zegg: Sonne, Wind und Wasser sind Primärenergiequellen, welche in den Bergen mit einem überdurchschnittlichen Potenzial vorhanden sind. Zur Gewinnung von Energie können die Bergbahnen die dafür nötigen und an ihren Standorten oft vorhandenen Höhen-, Druck- oder Wärmedifferenzen nutzen. Zudem sind Stromanschlüsse, Druckleitungen, rekuperationsfähige Motoren, Speicherseen, Pumpen etc. bei der Bergbahn-Infrastruktur meist vorhanden, aber noch nicht für die Stromproduktion ausgelegt. Bergbahnen verfügen somit dank ihrem geografischen Standort und ihrer Infrastruktur über sehr gute Voraussetzungen für die Produktion von sauberem Strom.
Wo ist bezüglich Treibhausgas-Emissionen der Hebel anzusetzen?
Roland Zegg: Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass im Zusammenhang mit Wintersportferien der Treibhausgas-Ausstoss der Bergbahnen nur einen geringen Anteil der gesamten Emissionen ausmacht. Von viel grösserer Bedeutung sind Reisedistanz, Verkehrsmittel und Unterkunft, weshalb die Zusammenarbeit aller Leistungsträger wichtig ist. Gemeinsame Kombiangebote inkl. An- und Rückreise per ÖV (z.B. Snow’n’Rail - Skipass und ÖV-Ticket in einem) können Emissionen im grossen Stil reduzieren.
Die Bergbahnen selber haben durchaus auch Möglichkeiten, den Ausstoss zu reduzieren. Mit dem Einsatz von Ökostrom, neuen Technologien bei Anlagen und Maschinen, effizienterer Pistenpräparation, CO2-Kompensationsprojekten und generell aktivem Energiemanagement kann bereits viel erreicht werden. Andere Massnahmen sind zum Teil mit hohen Investitionen verbunden und aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht immer realisierbar.
Peter Vollmer: Es ist wichtig, in dieser Frage auch die Opportunitäten der Wintersporturlauber zu betrachten. Entscheidend ist, wohin der hohe Anteil Schweizer Gäste in unseren Wintersportorten in die Ferien reisen würde, wenn es das Angebot der Bergbahnen nicht mehr gäbe. Wintersportferien in der Schweiz verursachen nämlich, wie die Studie eindrücklich zeigt, den geringsten CO2-Ausstoss gegenüber anderen, alternativen Ferienarten.
Entsteht aus Ihren Arbeiten und der Kommunikation der Resultate mehr als nur ein „Green washing“ der Branche?
Roland Zegg: Dank der Kooperation mit Seilbahnen Schweiz und der Mitarbeit zahlreicher Fachleute aus der Industrie und von Bergbahnunternehmen konnten einerseits fachlich überzeugende Inhalte und andererseits einfache, praxisnahe Empfehlungen erarbeitet werden. Dass die Studie an der D-A-CH-Tagung vorgestellt werden konnte, ist ein Glücksfall, damit erreichen wir auf einen Schlag sehr viele Bergbahnunternehmen im Alpenraum. Natürlich ist die Branche dann gefordert, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Da das Bedürfnis nach Nachhaltigkeit in der Gesellschaft laufend wächst, wird das Kundenbedürfnis diesbezüglich steigen und Unternehmen, die die „Herausforderung Energiemanagement“ schon heute anpacken, werden morgen im Wettbewerbsvorteil sein.
Peter Vollmer: Seilbahnen Schweiz wird zudem jedes Aktivmitglied mit einem Exemplar der Studie und vor allem des Praxis-Handbuchs bedienen. Wir sind überzeugt, dass mit dem Auftritt an der D-A-CH-Tagung, der daraus entstehenden Medienberichte und der flächendeckenden Verteilung der Studie die Branche zum Thema Energie sensibilisiert wird. Die zum Teil eins-zu-eins umsetzbaren Empfehlungen im Praxis-Handbuch werden dazu führen, dass viele Unternehmen rasch erste Schritte in Richtung Verbrauchs- und Kostensenkungen machen können und damit die Energieeffizienz der Branche nachhaltig erhöht wird.
Was werden die Kunden, die Schneesportler, von den Anstrengungen und Energiemanagement-Aktivitäten der Bergbahnen spüren?
Roland Zegg: Die Kunden dürfen erwarten, dass sich die Bergbahnbranche vermehrt und intensiver um Energie- und Nachhaltigkeitsfragen kümmern wird. Spüren werden die Kunden dies bspw. in Form von Reiseangeboten, bei welchen die An- und Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln inbegriffen ist, oder mit neuen CO2-Kompensationsangeboten. Sichtbar sein werden neue Photovoltaik-, Solarthermie oder Windkraftanlagen, die installiert werden. Die meisten Energiemassnahmen werden jedoch für den Kunden unsichtbar im Hintergrund umgesetzt. Beim Betrieb, bei der Sicherheit und beim Komfort der Bergbahnen werden die Kunden keine Leistungseinbussen wahrnehmen, höchstens Hinweise, wie mit Licht, Strom, Wasser und Wärme sorgfältiger umgegangen wird.
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